{"id":1155,"date":"2019-03-12T15:30:24","date_gmt":"2019-03-12T15:30:24","guid":{"rendered":"https:\/\/wsm.prolerat.org\/?page_id=1155"},"modified":"2019-03-12T15:30:24","modified_gmt":"2019-03-12T15:30:24","slug":"kinderkram","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.worldsocialism.org\/wsm\/kinderkram\/","title":{"rendered":"Kinderkram"},"content":{"rendered":"\n<p>S\u00e4hest Du einen kleinen Jungen in einem Abwassergraben\n      sterben, w\u00fcrdest Du einfach weiter gehen und ihn ignorieren?\n      W\u00fcrdest Du ihn nicht wenigstens in ein Krankenhaus oder zu\n      einem Arzt bringen? Wahrscheinlich bist Du weder der\n      tugendhafteste und menschenfreundlichste, noch der unsozialste\n      Mensch der Welt. Also, was t\u00e4test Du: Vorbeigehen und das Kind\n      ignorieren, oder ihm helfen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Leute w\u00fcrden helfen. Und zwar nicht weil wir\n      vollkommene Gotteskinder, sondern weil wir Menschen sind,\n      soziale Lebewesen. Wir \u00fcberleben, weil wir zusammen arbeiten.\n      Wahrscheinlich w\u00fcrdest Du dem Kind helfen. Du w\u00fcrdest kaum\n      neben dem sterbenden Jungen stehen bleiben und erst fragen,\n      wieso er im Graben liegt, wer daf\u00fcr verantwortlich ist und bei\n      welcher Beh\u00f6rde man sich beschweren sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was w\u00e4re, wenn der Junge in einem Abwasserkanal st\u00fcrbe,\n      Du ihn aber nicht sehen k\u00f6nntest? Geschieht so etwas, dann ist\n      das eine andere Situation. Es ist m\u00f6glich, sie zu ignorieren.\n      Denn das Geschehen liegt au\u00dferhalb Deiner Verantwortung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirklichkeit verschwindet hinter Schichten von\n      Rationalisierungen. Der sterbende Junge wird zu etwas Fernem,\n      Ungreifbarem. Es entsteht eine Situation ohne offensichtliche\n      L\u00f6sungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Angelegenheit wird sozusagen zu einer Frage der Politik.\n      Und Politik ist&nbsp;\u2013 wie wir alle wissen&nbsp;\u2013 ein\n      schwieriges Gesch\u00e4ft, das man den Politikern \u00fcberlassen sollte.\n      Die Wirklichkeit ist etwas Relatives. Und meistens spielt sich\n      die Realit\u00e4t nicht direkt vor Deinen Augen ab. Daher ist Sie\n      f\u00fcr Dich nicht wirklich &#8220;real&#8221;. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Realit\u00e4t\n      geh\u00f6rt in den Bereich des Politischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich ist Dir bekannt, dass in den Gassen und\n      Abwasserkan\u00e4len der globalen Armensiedlungen st\u00e4ndig Jungen und\n      M\u00e4dchen sterben. Das ist eine dieser fernen und ausgeblendeten\n      Realit\u00e4ten. Und warum?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnten jetzt \u00fcber \u00d6konomie oder Politik reden, aber die\n      Wahrheit ist, dass diese Kinder deshalb sterben, weil sie f\u00fcr\n      uns unsichtbar und uns ziemlich egal sind. Die Kinder von armen\n      Eltern interessieren niemanden.<\/p>\n\n\n\n<p>In unserer unmittelbaren Wirklichkeit sch\u00e4tzen wir Kinder so\n      stark, dass wir \u00fcber\u00e4ngstlich auf reale oder auch nur imagin\u00e4re\n      Bedrohungen achten. Aber in der globalen Realit\u00e4t, haben Kinder\n      keinen Wert. Eine Milliarde Menschen, ein Sechstel der\n      Weltbev\u00f6lkerung, hat noch nicht einmal Zugang zu sauberem\n      Wasser. Kinder bekommen Durchfall und sterben: J\u00e4hrlich 5\n      Millionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe Zahlen ber\u00fchren uns nicht. Stell Dir also einen\n      Jumbo-Jet voller Kinder vor, der in einen Berggipfel rast.\n      Dar\u00fcber w\u00fcrde auf allen Kan\u00e4len berichtet werden, oder? Jetzt\n      stell Dir aber vor, dass solche Jumbo-Jets alle 35 Minuten\n      abst\u00fcrzen: Tag und Nacht&nbsp;\u2013 ohne Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Afrikanische Kinder sind nicht weniger wert, als wei\u00dfe\n      Kinder. Und afrikanische Eltern trauern nicht weniger, als\n      europ\u00e4ische Eltern. 300 tote Kinder alle 35 Minuten. Ein\n      Massaker an Unschuldigen, meinst Du nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Warum gibt es Hungersn\u00f6te? Es gibt zu viele Kinder, sagen\n      manche Leute. Wir Westler haben doch auch kleine Familien. Ja,\n      heute. Fr\u00fcher hatten wir eine Menge an Kindern, weil viele\n      Kinder fr\u00fch gestorben sind. Wir brauchten Kinder, damit sie\n      sich um uns im Alter k\u00fcmmerten, weil es sonst niemand getan\n      h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas ungerecht, die Afrikaner f\u00fcr etwas verantwortlich zu\n      machen, was wir auch taten&nbsp;\u2013 bevor wir ein gutes\n      Gesundheitssystem und Renten bekamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es keine Lebensmittel, dann ist sogar ein Mensch ein\n      Mensch zu viel. Sind Hungersn\u00f6te also ein Problem der\n      \u00dcberbev\u00f6lkerung? Vor \u00fcber 20 Jahren berechnete die\n      Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass es m\u00f6glich w\u00e4re, eine\n      12-fach gr\u00f6\u00dfere Weltbev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir mu\u00dften damals aber nicht eine um 12 mal gr\u00f6\u00dfere\n      Weltbev\u00f6lkerung ern\u00e4hren, sondern nur den zw\u00f6lften Teil davon:\n      Die damalige Weltbev\u00f6lkerung. Und schafften wir das? Nein!\n      Stattdessen gab es vor 20 Jahren eine schreckliche Hungersnot\n      in \u00c4thiopien.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Westen haben wir Gl\u00fcck, das kann man nicht leugnen. Es\n      gibt hier keinen Krieg, wir leben nicht als Sklaven und wir\n      hungern nicht. Unsere Kinder gehen zur Schule, und es gibt ein\n      Gesundheitssystem. Sie haben eine gro\u00dfe Auswahl an\n      Lebensmitteln, und ein gewisses Ma\u00df an Sicherheit und\n      Wohlstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber geht es uns gut? Viele finden keine Arbeit, machen\n      weder Kariere, noch haben sie Berufschancen. Und jene von uns,\n      die arbeiten, sind den verschiedenen Reglementierungen am\n      Arbeitsplatz unterworfen: Durch die Chefs, durch Zeitpl\u00e4ne,\n      Zeugnisse, Leistungsdruck, die Arbeitszeit von 9&nbsp;\u2013 17 Uhr,\n      durch Rechnungen, Mieten und Hypotheken, durch den ganzen\n      Stress.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Kinder werden immer fr\u00fcher darauf getrimmt, h\u00e4rter zu\n      arbeiten und zu lernen, um sich f\u00fcr eine Berufst\u00e4tigkeit zu\n      qualifizieren und verwertbar zu sein. Bereits F\u00fcnfj\u00e4hrige\n      m\u00fcssen Hausaufgaben machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir leben im Kapitalismus. Alle wissen, dass der\n      Kapitalismus nicht vollkommen ist, und dass er seine Probleme\n      hat und dass wir versuchen m\u00fcssen, diese Schwierigkeiten mit\n      Reformen zu meistern. Deshalb stimmen wir f\u00fcr Politiker, von\n      denen wir annehmen, dass sie die Probleme schon l\u00f6sen\n      werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kapitalismus ist wie ein Auto, das dauernd irgendwelche\n      Sch\u00e4den hat. Ein Politiker liegt unter dem Auto, der andere\n      beugt sich \u00fcber der Motorhaube und beide behaupten zu wissen,\n      wie man es fahrt\u00fcchtig machen kann. Zwar zahlst Du daf\u00fcr\n      dauernd die Rechnungen, aber das Auto funktioniert nie richtig.\n      Vielleicht ahnst Du, dass die Politiker doch nicht so richtig\n      wissen, was sie eigentlich tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was kannst Du tun? Zwar mag der Kapitalismus nicht\n      perfekt sein, aber er ist das Einzige, was wir haben und\n      letztlich funktioniert er irgendwie.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwie? Wir leben in der fortgeschrittensten Gesellschaft\n      der Geschichte. Aber wenn es darum geht, etwas Sinnvolles\n      anzustellen, z.B. alle Menschen zu ern\u00e4hren, oder die\n      Umweltverschmutzung und die weltweite Erw\u00e4rmung zu beschr\u00e4nken,\n      dann k\u00f6nnen wir es gerade so irgendwie schaffen, wenn\n      \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frage: Schaut sich jemand noch Parteiwerbesendungen an?\n      Sie sind langweilig und Du glaubst nicht ein Wort, von dem, was\n      dort gesagt wird. Es geht dort zu wie bei der\n      Waschmittelwerbung. Es werden irgendwelche zweifelhaften\n      Behauptungen vorgestellt, die beweisen sollen, dass ein\n      Waschmittel besser, als das andere sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist keine Parteiwerbesendung. Aus zwei Gr\u00fcnden:\n      Erstens, weil hier niemand Deine Unterst\u00fctzung will, weder\n      Deine Wahlstimme, oder Gefolgschaft, noch Dein Geld. Zweitens,\n      weil hier niemand versucht, Dich zu irgendetwas zu\n      \u00fcberreden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier geht es um eine viel anstrengendere Sache. Es geht\n      darum, dass Du selbst die Grundlage der modernen Gesellschaft\n      in Frage stellst. Denke erst dar\u00fcber nach und \u00fcberlege dann,\n      was Du tun k\u00f6nntest.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich werde Dir weder erz\u00e4hlen, was Du machen oder denken\n      sollst, noch werde ich versuchen, Dich von irgendetwas zu\n      \u00fcberzeugen. Ich will Dir einfach eine Sichtweise so erl\u00e4utern,\n      dass Du sie verstehst.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine Sichtweise, die nicht sehr h\u00e4ufig vorgestellt\n      wird, egal welches TV-Programm Du dir ansiehst. Aber sie\n      existiert dennoch und sie ist recht weit verbreitet. Ob Du sie\n      akzeptierst, das ist deine Sache. Du kannst sie ablehnen, aber\n      es sollte f\u00fcr Dich wichtig sein, zu wissen, was Du\n      ablehnst.<\/p>\n\n\n\n<p>Politiker sprechen \u00fcber viele Probleme. Aber sie bleiben im\n      Rahmen des Kapitalismus. Das ist der eigentliche Grund daf\u00fcr,\n      dass die Politiker so \u00e4hnlich klingen und dass es schwierig\n      ist, sich f\u00fcr Politik zu interessieren. Denn sie bewegen sich\n      immer im selben Rahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Du den Kapitalismus selbst in Frage stellst, begibst Du\n      Dich automatisch au\u00dferhalb dieses Rahmens. Und dann wird\n      kapitalistische Politik f\u00fcr Dich sinnlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Kapitalistische Politiker machen alles so, dass es sehr\n      kompliziert klingt. So kompliziert, dass Du sie brauchst, damit\n      sie die Arbeit f\u00fcr Dich machen. Du sollst alle 5 Jahre w\u00e4hlen.\n      Das soll genug sein. Was willst Du mehr?<\/p>\n\n\n\n<p>Du verstehst die Politik nicht wirklich, Du wei\u00dft nicht\n      genug, Du bist nicht geschickt genug. Klar, Du k\u00f6nntest gar\n      nicht all die wichtigen Entscheidungen treffen. Klar, die\n      Medizin ist kompliziert. Es dauert 11 Jahre, um einen Arzt\n      auszubilden. Wir k\u00f6nnen ja nicht alle \u00c4rzte sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wer hat schon mal was von einer Politiker-Schule\n      geh\u00f6rt? Welche Qualifikationen haben eigentlich die Politiker,\n      die \u00fcber unsere hinausgehen? Es gibt keine, oder? Jeder kann in\n      die Politik gehen. Die sogenannten Experten f\u00fcr politische\n      Entscheidungen sind gar keine Experten. Nicht mehr, als Du es\n      bist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel: In einer Kneipe k\u00f6nnten Dich zwei M\u00e4nner\n      stundenlang mit Reden \u00fcber Fu\u00dfball langweilen und verwirren,\n      wenn Du bescheuert genug bist, dies zuzulassen. Aber die\n      Fu\u00dfballregeln selbst sind ziemlich einfach.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Politik. Das Ausma\u00df an Erz\u00e4hlungen\n      und Einzelheiten ist zwar unendlich. Aber die grundlegenden\n      Regeln des Kapitalismus sind einfach zu verstehen. Genauso, wie\n      die Auswirkungen dieser Regeln. Und wenn Du erst einmal diese\n      Regeln verstanden hast, dann kannst Du Dir eine neue Frage\n      stellen: Bist Du mit diesen Regeln einverstanden?<\/p>\n\n\n\n<p>Lass uns diese Regeln genauer betrachten. Entscheide selbst,\n      ob sie kompliziert sind. Entscheide selbst, ob sie so wirklich\n      existieren, oder ob ich sie nur herbei fantasiere.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 1: Grob gesagt, 5 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung verf\u00fcgen\n      \u00fcber 95 Prozent des Reichtums, des Landes, der Ressourcen, des\n      Wohlstandes. Das ist einer unter 20 Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Mensch hat den gesamten Reichtum und die Macht und die\n      anderen 19 haben mehr oder weniger nichts. Man k\u00f6nnte dies\n      unfair oder ungerecht nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ist die Realit\u00e4t und es ist legal.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nicht sonderlich kompliziert, oder? Nun die zweite\n      Regel, sozusagen die Goldene Regel: Wer das Geld hat, hat die\n      Macht und bestimmt die Regeln. Darum ist alles legal&nbsp;\u2013\n      falls Du Dich wundern solltest.<\/p>\n\n\n\n<p>So, und jetzt ungeordnet ein paar weitere Regeln:<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 3: Je mehr Geld Du hast, je mehr Geld kannst Du\n      verdienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 4: Je weniger Geld Du hast, je weniger kannst Du\n      verdienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 5: Je \u00e4rmer Du bist, desto teurer ist alles f\u00fcr\n      Dich.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 6: Je \u00e4rmer Du bist, desto kr\u00e4nker wirst Du werden,\n      desto fr\u00fcher wirst Du sterben und umso schlechter wird es\n      Deinen Kindern gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 7: Je \u00e4rmer Du bist, desto schlechter werden Deine\n      Ausbildung und Deine Arbeitsbedingungen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 8: Je schlechter die Bezahlung, umso unangenehmer die\n      Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 9: Das Gegenteil von Regel 8: Je h\u00f6her die Bezahlung,\n      umso angenehmer die Arbeit. Zum Beispiel: Ein Konzerndirektor\n      verdient, sagen wir, 100 mal mehr, als eine Verk\u00e4uferin&nbsp;\u2013\n      aber wer geht ersch\u00f6pfter nach Hause?<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 10: Wenn Du wirklich reich bist, dann bist Du ein\n      Kapitalist und mu\u00dft \u00fcberhaupt nicht mehr arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 11: Die Armen zahlen f\u00fcr jeden Fehler, den die Reichen\n      verursachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 12: Die Reichen fangen Kriege an, die Armen m\u00fcssen\n      darin k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 13: Die meisten reichen Leute werden durch Erbschaften\n      reich. Es gibt zwar auch Geschichten wie die &#8220;vom Tellerw\u00e4scher\n      zum Million\u00e4r&#8221;&nbsp;\u2013 aber sie doch sehr selten.<\/p>\n\n\n\n<p>Regel 14: Die meisten armen Leute bleiben ihr ganzes Leben\n      lang arm, trotz harter Arbeit, Sparsamkeit und Opfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Genug Regeln. Entscheide selbst. Habe ich sie mir\n      ausgedacht? Bin ich ein Zyniker? Oder klingen sie dem \u00e4hnlich,\n      was Du auch schon gedacht hast? Eines ist sicher: Die Politiker\n      sprechen niemals \u00fcber eine dieser Regeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kam es \u00fcberhaupt zu diesen Regeln? War es nicht schon\n      immer so? Nein, war es nicht. Aber ich brauchte den ganzen Tag,\n      um dies zu beweisen und \u00fcber die Geschichte und Vorgeschichte\n      der Menschheit zu reden. Diese Zeit haben wir nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und \u00fcberhaupt, ich versuche nicht, Dich zu \u00fcberreden. Ich\n      m\u00f6chte nur, dass Du verstehst, was zu meiner Sichtweise geh\u00f6rt.\n      Deshalb will mit einer Analogie zeigen, wie alles angefangen\n      hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Stelle Dir ein gro\u00dfes Kinderzimmer vor, in dem 20 Kinder\n      gl\u00fccklich spielen. Ab und zu haben sie eine kleine Kabbelei,\n      aber nichts Ernsthaftes. Falls Du selbst im Kindergarten warst,\n      wei\u00dft Du sicherlich, wie sich Kinder verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie streiten sich und sie vertragen sich wieder. H\u00e4ufig ohne\n      irgendeine Einmischung der Kinderg\u00e4rtner. Die Kinder sind weder\n      ausgebildete Diplomaten, noch Personalmanager. Sie tun einfach\n      das, was sich nat\u00fcrlich und spontan ergibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt stell Dir vor, dass ein Betreuer ein neues Spiel\n      einf\u00fchrt. Aber kein sch\u00f6nes Spiel, sondern ein ziemlich\n      krankes, eines mit besonderen Spielregeln.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem neuen Spiel, gibt der Kinderg\u00e4rtner alle\n      Spielsachen einem Kind. Nennen wir es Rex. Alle anderen Kinder\n      bekommen nichts. Und sie k\u00f6nnen solange nicht spielen, solange\n      sie nicht von Rex die Erlaubnis dazu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Rex hat also nicht nur alle Spielsachen, sondern auch noch\n      etwas Neues, etwas, was zuvor nicht existierte: Macht. Wenn die\n      anderen Kinder mit den Spielsachen spielen m\u00f6chten, und das\n      m\u00f6chten sie bestimmt, dann m\u00fcssen sie das tun, was Rex ihnen\n      sagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch sein Eigentum erh\u00e4lt Rex Macht \u00fcber sie. Macht wird zu\n      dem zentralen Faktor, der von nun an alle Beziehungen bestimmt\n      und den Kindern zu verstehen gibt, wer sie sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Machtverh\u00e4ltnis stellt die anderen Kinder in eine\n      besondere soziale Klasse. W\u00e4hrend Rex die &#8220;besitzende&#8221; bzw. die\n      &#8220;herrschende Klasse&#8221; bildet, sind sie die &#8220;eigentumslose&#8221; oder\n      &#8221; spielzeuglose&#8221; Klasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einem friedlichen und mehr oder weniger harmonischen\n      Kindergarten wurde eine auf gegenseitiger Feindseligkeit und\n      auf Mi\u00dftrauen beruhende Klassengesellschaft von Ungleichen. Ein\n      ziemlich cooles Spiel. Aber es geht noch weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das Spiel angemessen zu spielen, muss sich Rex mit einer\n      Anzahl von Problemen auseinandersetzen. Jetzt wollen wir ihm\n      etwas mehr Intelligenz zutrauen, als normalerweise einem\n      Dreij\u00e4hrigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als erstes muss er Strategien entwickeln, um die anderen\n      auseinander zu dividieren. Sie sollen sich nicht gegen ihn\n      verb\u00fcnden k\u00f6nnen. Rex wird seine Machtposition nicht lange\n      halten k\u00f6nnen, wenn er dieses Problem nicht als erstes\n      l\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>So sucht er sich die gr\u00f6\u00dften Kinder aus und bietet ihnen ein\n      Gesch\u00e4ft an: Besch\u00fctze mich vor den anderen und Du bekommst ein\n      paar Sonderrechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es scheint in ihrem eigenen Interesse zu liegen, dieses\n      Gesch\u00e4ft zu akzeptieren. Die kleine Gruppe von gr\u00f6\u00dferen Kindern\n      wird also zur Rex\u00b4s Polizei gegen die Spielzeuglosen. Ja, sie\n      werden sogar zu seinen Spielzeugsoldaten gegen den Rest der\n      Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein Spielzeugloser aus der Reihe tanzt, bekommt er von\n      der Spielzeugpolizei eine aufs Maul und wird zur\u00fcck in die\n      Reihe gesto\u00dfen. Rex hat eine Hierarchie und einen Zwangsapparat\n      eingesetzt, mit sich selbst ganz oben.<\/p>\n\n\n\n<p>So weit, so gut. Aber es dauert nicht lange und Rex wird es\n      leid, seine Zeit daf\u00fcr zu verwenden, Befehle auszugeben und\n      alles selbst zu organisieren. Warum also nicht Verwalter\n      einstellen, die diese Aufgaben f\u00fcr ihn erledigen k\u00f6nnten? Gute\n      Idee!<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hat er also eine Art von staatlicher Verwaltung\n      eingesetzt, um sein Eigentum und seine Position zu sch\u00fctzen.\n      Aber damit noch nicht genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Er will kein Chaos und kein endloses Palavern, sondern ein\n      stabiles System mit ihm selbst an der Spitze.<\/p>\n\n\n\n<p>Was er wirklich braucht ist Legitimit\u00e4t. Er muss den Kindern\n      glauben machen, dass es vollkommen nat\u00fcrlich, gerecht und gut\n      ist, dass er alle Spielsachen hat und sie nichts haben. Wenn\n      sie das erst mal glauben, dann werden sie keinen Grund sehen,\n      sich dagegen aufzulehnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Rex zu rebellieren w\u00e4re dann genauso l\u00e4cherlich wie\n      ein Aufstand gegen die Sonne, den Mond oder den Regen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schafft man eigentlich Legitimit\u00e4t? Durch Propaganda und\n      \u00dcberzeugung. Rex muss also eine Menge an Propaganda\n      organisieren, um das zu rechtfertigen, was wir seine &#8220;Ideen\n      \u00fcber die Gesellschaft&#8221; oder die &#8220;Ideologie der Macht&#8221; nennen\n      k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Rex lehrt diese Ideologie im Kindergarten durch den neuen\n      Unterricht, den er entworfen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen diese Ideologie gar nicht im einzelnen kennen. Es\n      ist unwichtig, wie er seine Machtposition rechtfertigt. Er kann\n      irgendetwas Beliebiges sagen und lehren. Hauptsache: Es\n      funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Er kann verschiedene Mittel anwenden: Sich ausgefallen\n      kleiden, eine Per\u00fccke tragen, wenn er \u00fcber die Misset\u00e4ter\n      richtet, auf einem hohen Thron sitzen, so dass er auf sie\n      herabschauen kann, er kann mit einer ungew\u00f6hnlichen Stimme\n      sprechen oder unbekannte Worte verwenden, so dass sie ihn nicht\n      verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt eine Menge Dinge, die er tun kann, um wichtig, gro\u00df\n      und clever zu erscheinen. Und stellt er es geschickt an, dann\n      glauben die anderen wirklich daran, dass er wichtiger, gr\u00f6\u00dfer\n      und cleverer ist, als sie selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie werden beginnen, an die &#8220;nat\u00fcrliche Ordnung&#8221; der Welt zu\n      glauben. Er ist Teil dieser Ordnung. Sie werden sich niemals\n      auflehnen. Oder doch? Was k\u00f6nnte er noch tun, um wirklich auf\n      Nummer sicher zu gehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Auf lange Sicht, ist es am besten, ihnen beizubringen, sich\n      gegenseitig zu hassen. Wei\u00dfe gegen Schwarze, Jungs gegen\n      M\u00e4dchen, Juden gegen Nichtjuden, Gro\u00dfohren gegen Kleinohren.\n      Was auch immer: Hauptsache es funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange sie sich nicht gegenseitig vertrauen k\u00f6nnen, werden\n      sie f\u00fcr ihn niemals zu stark werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Er f\u00e4ngt also an, die wei\u00dfen Kinder zu belohnen. Und die\n      schwarzen Kinder zus\u00e4tzlich zu bestrafen, da sie nichts\n      besseres verdient h\u00e4tten. Er ermutigt die Wei\u00dfen, die Schwarzen\n      zu tyrannisieren. Das ist Ideologie. Auseinanderdividieren.\n      Erste Methode. Ziemlich clever.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt noch mehr. Er erz\u00e4hlt den Jungs, dass sie sich ein\n      M\u00e4dchen als pers\u00f6nliches Eigentum nehmen sollten. Und ist eine\n      nicht willig, dann gebraucht Gewalt. Er ermuntert die Jungs,\n      die M\u00e4dchen zu tyrannisieren. Auseinanderdividieren. Zweite\n      Methode. Er kann auch die Religion ins Spiel bringen. Drei,\n      vier, f\u00fcnf Methoden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viele M\u00f6glichkeiten. Da sich alle Kinder voneinander\n      unterscheiden, kann man diese Unterschiede benutzen, um sie\n      gegeneinander auszuspielen. Und wenn sie erst mal anfangen,\n      sich gegenseitig zu bek\u00e4mpfen, dann kann Rex behaupten, dass\n      sie alle eigentlich Kriminelle sind, die durch seine Polizei\n      kontrolliert werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kann er ihnen sogar weismachen, dass sie noch mehr\n      Polizei, mehr Gesetze, mehr K\u00e4fige, mehr Aufsicht brauchen.\n      Stellt er sich gut an, dann kann er sie sogar dazu bewegen, von\n      sich aus mehr Polizei, sch\u00e4rfere Gesetze und eine\n      umfangreichere \u00dcberwachung zu fordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das scheint ja sehr klug zu klingen, aber es sind lediglich\n      die Methoden, die bereits Machiavelli den italienischen F\u00fcrsten\n      empfahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bringt Rex nichts, wenn die spielzeuglosen Kinder nur\n      rumsitzen und nichts tun. Sie sollten sich mit etwas N\u00fctzlichem\n      besch\u00e4ftigen, da sie sonst noch anfangen, Schwierigkeiten zu\n      machen. Sie m\u00fcssen arbeiten!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kindergarten sollte neues Spielzeug haben. Oder nicht?\n      Das ist doch etwas, was die Spielzeuglosen machen k\u00f6nnen. Sie\n      k\u00f6nnen neues Spielzeug herstellen: F\u00fcr Rex.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als Belohnung &#8220;bezahlt&#8221; sie Rex mit ein wenig Spielzeit.\n      Nenne es &#8220;Urlaub&#8221;, &#8220;Wochenende&#8221; oder &#8220;Freizeit&#8221;. Die\n      eigentumslose Klasse wird zur arbeitenden Klasse. Sie ist nun\n      zu besch\u00e4ftigt, um klar denken zu k\u00f6nnen. Und Rex bekommt mehr\n      Spielzeug.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfartig. Aber es geht noch weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Rex m\u00f6chte seinen Machbereich ausdehnen. Er hat schon ein\n      Auge auf den Kindergarten auf der anderen Stra\u00dfenseite geworfen\n      und auf all die sch\u00f6nen Spielsachen dort. Au\u00dferdem beunruhigt\n      in etwas.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Machthaber vom anderen Kindergarten k\u00f6nnte ja ebenfalls\n      \u00fcber Ausdehnung nachdenken. Auf das Gebiet von Rex. Er mu\u00df also\n      als erster handeln und die Strasse mit seiner Spielzeugarmee\n      \u00fcberqueren. Und vergiss nicht, dass er den Kindern erz\u00e4hlt,\n      dass das nat\u00fcrlich nur der Verteidigung dient. Ideologie.<\/p>\n\n\n\n<p>In der kurzen Zeit sind wir schon weit voran gekommen. Wie\n      anders ist doch die Situation geworden. Erinnerst Du Dich noch\n      an den urspr\u00fcnglichen Kindergarten? Alle Kinder waren gleich.\n      Sie haben die Spielsachen untereinander geteilt. Meistens gab\n      es dort Frieden und Harmonie.<\/p>\n\n\n\n<p>Erinnert sich ein Kind an diese friedliche Zeit und fl\u00fcstert\n      auch nur dar\u00fcber, wird es geschlagen, in die Ecke gestellt oder\n      ausgelacht. Gleichheit, Frieden, Harmonie, gemeinschaftliches\n      Eigentum? Das ist doch alles nur Utopie, ein eitler Traum.\n      Kinderfantastereien. Sagt Rex.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gab es noch nie und es wird es nicht geben. Schaut doch\n      einfach mal in die Geschichtsb\u00fccher, die ich besonders f\u00fcr euch\n      geschrieben habe. Sagt Rex.<\/p>\n\n\n\n<p>Und \u00fcberhaupt. Seht euch an: Ihr hasst euch gegenseitig, ihr\n      seid b\u00f6se, ihr schl\u00e4gt aufeinander ein. Ihr seit doch nicht\n      besser, als wilde Tiere. Ihr braucht einen starken F\u00fchrer, wie\n      mich, damit ihr euch einigerma\u00dfen benimmt. Sagt Rex.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man euch frei lie\u00dfe und ihr die M\u00f6glichkeit h\u00e4ttet, all\n      die Spielsachen zu haben, was t\u00e4tet ihr? Ihr w\u00fcrdet euch\n      gegenseitig umbringen und den Kindergarten niederbrennen. Ihr\n      m\u00fc\u00dft das Buch &#8220;Der Herr der Fliegen&#8221; lesen, dort wird es\n      bewiesen. Ihr seid schlecht, deshalb habe ich hier die\n      Herrschaft. Sagt Rex.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wei\u00dft Du was? Die Kinder stimmen ihm zu. Sie sagen\n      selbst: Wir sind schlecht, k\u00f6nnen uns nicht vertrauen, sind von\n      Natur aus kriminell. Wir m\u00fcssen beherrscht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie glauben ihm jedes Wort, weil sie keine mehr Kinder sind.\n      Sie sind \u00e4lter geworden und sie wurden das, was Rex wollte, das\n      sie werden sollen. Ihre Kindheitstr\u00e4ume haben sie\n      vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind Erwachsene und sie akzeptieren die Welt, so wie sie\n      ist. Utopien sind wie M\u00e4rchen. Kindererz\u00e4hlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nur eine Geschichte. Sie erkl\u00e4rt nicht alles. Aber\n      wir haben jetzt nicht den ganzen Tag Zeit, um alles zu\n      erl\u00e4utern. Trotzdem noch einen Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Anfang sagte ich, dass ein Kinderbetreuer das Spiel\n      einf\u00fchrte, dass die Idee des Privateigentums damit begann, dass\n      er alle Spielsachen einem einzelnen Kind gab.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher, das Privateigentum wurde nicht pl\u00f6tzlich eingef\u00fchrt.\n      Nicht von einem Tag auf den anderen. Und es ist nicht einfach\n      in die Hand von nur einer Person gefallen. Das dauerte lange.\n      Es entwickelte sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn dies (er streckt beide Arme aus) die gesamte Zeit ist,\n      in der Menschen leben, dann ist dies (er tippt auf die\n      Fingerkuppe) der kurze Zeitraum, seit dem die Menschen se\u00dfhaft\n      wurden, Landwirtschaft betreiben und nicht mehr als J\u00e4ger und\n      Sammler umherziehen. Das passierte vor 12.000 Jahren.\n      Gestern.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa 250.000 Jahre lang waren wir J\u00e4ger und Sammler, wir\n      lebten in St\u00e4mmen, urspr\u00fcnglich, nomadisch. J\u00e4ger und Sammler\n      hatten privates Eigentum, pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde:\n      Perlenketten, Lieblings-Steinmesser. Dinge dieser Art. Manches\n      war wertvoll und es bedeutete ihnen viel.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber J\u00e4ger und Sammler zogen umher, sie mu\u00dften den Herden\n      und dem Wildwechsel oder der Vegetation folgen. Da sie sich vor\n      allem von dem ern\u00e4hrten, was sie gesammelt haben, mussten sie\n      weiter ziehen, wenn es am Essbaren mangelte.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr sie war Privateigentum das, was man tragen, was man\n      mitnehmen konnte. Kleine Sachen. Dinge, die sch\u00f6n, aber\n      pers\u00f6nlich waren, privat, die sich vielleicht zum Tausch\n      eigneten, kleine Sch\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p>Man denkt, dass die Pyramiden alt sind. Aber wei\u00dft Du, wie\n      modern sie sind, wie zeitlich nah sie uns sind, wenn wir die\n      gesamte Menschheitsgeschichte \u00fcberblicken. J\u00e4ger und Sammler\n      hatten keinen Bedarf an gro\u00dfen Denkm\u00e4lern und Geb\u00e4uden und an\n      Dingen, die sie nicht mit nehmen konnten. Und sie haben auch\n      keine Grundst\u00fccke markiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast w\u00e4hrend der gesamten Zeit in der Menschen leben,\n      bestand das private Eigentum aus kleinen Gegenst\u00e4nden, die oft\n      sch\u00f6n waren und aus Gold gemacht wurden, die aber immer leicht\n      zu transportieren waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab bereits Eigentum, aber es hatte keine gro\u00dfe\n      Bedeutung. Vor 12.000 Jahren jedoch entwickelte sich die\n      Landwirtschaft. Die Menschen wurden se\u00dfhaft, nahmen Land in\n      Besitz und bewirtschafteten es. Aufgrund der im Boden\n      &#8220;steckenden&#8221; menschlichen Arbeit, wurde es notwendig, ihn zu\n      verteidigen. So wurde der Boden selbst zum Eigentum.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dadurch \u00e4nderte sich alles. Denn das Privateigentum an\n      Land war eine sehr wichtige Angelegenheit. Es war eine Sache\n      auf Leben und Tod. Wenn Du Land hattest, konntest Du \u00fcberleben,\n      ohne Land musstest Du sterben. Das ist die Zeit, in der die\n      Pyramiden, St\u00e4dte, sakralen Bauten und Burgen errichtet\n      wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Kindergartenspiel sagte ich, dass das Privateigentum\n      abrupt eingef\u00fchrt wurde. Das stimmt zwar nicht genau. Aber vor\n      12.000 Jahren gewann es pl\u00f6tzlich eine sehr starke Bedeutung,\n      die es davor nicht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Agrarrevolution war der Anfang einer Gesellschaft, die\n      nicht nur das Konzept des Privateigentums in sich aufnahm,\n      sondern die auf dem Privateigentum gr\u00fcndet, wie die Pyramiden\n      auf der Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich behauptete auch, dass das gesamte Eigentum einer Person\n      \u00fcbergeben wurde. So war es nicht. Was ist also geschehen?\n      Fangen 10 Menschen mit jeweils 10 Pence an, wird am Ende eine\n      Person ein Pfund haben und die anderen neun werden nichts\n      haben. So funktioniert die Gesellschaft des\n      Privateigentums.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie funktioniert wie &#8220;Monopoly&#8221;. Am Ende gewinnt eine Person\n      alles und die anderen haben nichts. Die Menschen in der\n      Gesellschaft des Eigentums m\u00f6gen am Anfang gleich gewesen sein.\n      Aber sie blieben es nicht lange. Und was entstand, war\n      Ungleichheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kapitalismus ist eine gro\u00dfe Version des\n      Kindergartenspiels, bei dem die Eins\u00e4tze viel h\u00f6her sind. Stell\n      Dir ein neues Spiel vor: &#8220;Todes-Monopoly&#8221;. Die Regel ist, dass\n      jener Mitspieler, der alle seine H\u00e4user verliert, sich eine\n      Kugel durch den Kopf schie\u00dfen muss. Du w\u00fcrdest nicht mitspielen\n      wollen, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kapitalismus ist eine Art &#8220;Monopoly&#8221; auf Leben und Tod.\n      Und wir haben keine andere Wahl, als mitzuspielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Ideologie&nbsp;\u2013 wieder dieses Wort&nbsp;\u2013 lehrt uns,\n      dass es der Wettbewerb ist, der alles geschehen l\u00e4sst. Bei\n      Spielen geht es meist um Konkurrenz. Und die kann viel Spa\u00df\n      machen, solange es ein Spiel bleibt. Spiele, bei denen es um\n      Zusammenarbeit geht, sind normalerweise nicht so aufregend.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir sprechen hier \u00fcber Spa\u00df haben. Nicht \u00fcber Leben\n      oder Tod. Menschen zu einem Wettbewerb zu zwingen, bei dem die\n      Regeln so manipuliert sind, dass er f\u00fcr die Mitspieler t\u00f6dlich\n      ausgehen kann, ist nicht lustig. Es ist krank. Wir glauben,\n      dass die Konkurrenz die Welt in Bewegung h\u00e4lt. Aber sie treibt\n      uns st\u00e4ndig an und oft terrorisiert sie uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Sichtweise sagt uns, dass Zusammenarbeit jene\n      Strategie ist, die wir brauchen, um miteinander zu leben. Die\n      Ideologie sagt zwar: Nein. Aber wir m\u00fcssen sogar miteinander\n      kooperieren, damit das kapitalistische Spiel funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen uns gemeinsam darauf einigen, dass wir\n      miteinander konkurrieren wollen. Zusammenarbeit ist f\u00fcr uns\n      nichts Fremdes. Sie geh\u00f6rt zu unserem Verhalten, sogar im\n      Kapitalismus. Wir kooperieren miteinander, aber gegen unsere\n      wirklichen Interessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spieler des Todes-Monopoly m\u00fcssen sich auf die Regeln\n      geeinigt haben, sonst w\u00fcrden sie nicht mitspielen. Aber warum\n      spielen wir \u00fcberhaupt mit? Unsere Ideologie sagt, dass es das\n      einzig m\u00f6gliche Spiel ist. Wirklich?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer Grund daf\u00fcr, dass wir dieses Konkurrenzspiel\n      mitmachen ist, dass wir nicht entschieden haben, nicht mehr\n      mitzuspielen. Solange wir die Regeln akzeptieren, wird das\n      Spiel weiterlaufen. Die Frage ist&nbsp;\u2013 angenommen, es g\u00e4be\n      eine freie Wahl&nbsp;\u2013 bist Du mit diesen Regeln\n      einverstanden?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind mit dem Privateigentum an &#8220;Spielzeug&#8221;, und\n      \u00fcberhaupt am gesamten Reichtum einverstanden. Eigentum bedeutet\n      aber nicht, dass Du freien Zugang zu G\u00fctern hast. Es bedeutet\n      lediglich, dass Du Anderen den freien Zugang versagen\n      kannst.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange Du nicht reich bist, macht Dich Eigentum nicht frei:\n      Es legt Dich in Ketten. Denkt dar\u00fcber nach. K\u00f6nnte ich die Luft\n      besitzen, die Ihr einatmest, oder mit anderen Worten: K\u00f6nnte\n      ich Euch den Zugang zur Atemluft verweigern, w\u00e4re ich der Herr\n      der Welt und Ihr w\u00e4ret meine Sklaven. Vielleicht denkt Ihr,\n      dass dies nicht sehr fair ist, aber das hat mit Fairness nichts\n      zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>So funktionieren die Regeln des Eigentums, die wir\n      akzeptieren. Alles&nbsp;\u2013 Handel, M\u00e4rkte, Wettbewerb, Knappheit\n      an G\u00fctern, Kriege, Armut und all der Rest&nbsp;\u2013 entsteht aus\n      diesem Prinzip. Es ist ein heiliges Prinzip. Und es ist \u00e4lter\n      und heiliger als die Bibel oder der Koran.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist sogar heiliger, als das Leben selbst. Wenigstens wird\n      es uns so gelehrt. Ideologie. Wegen dieser Ideologie, glauben\n      wir daran, dass die Reichen reich und die Armen arm sein\n      m\u00fcssen. Und so geht das Spiel weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Frage Dich doch mal, warum Du das Spiel des Privateigentums\n      mitmachst und was es Dir wirklich bringt. Vielleicht hast Du\n      etwas Eigentum. Die meisten von uns besitzen etwas. Vielleicht\n      hast Du ein neues Auto und ein Haus, obwohl Du beides\n      wahrscheinlich auf Kredit gekauft hast und nun Dein Leben lang\n      den Kredit abzahlst.<\/p>\n\n\n\n<p>Frag Dich doch mal, \u00fcber welche Sicherheiten Du wirklich\n      verf\u00fcgst. Du musst weiterhin arbeiten und kannst jederzeit\n      Deinen Job verlieren. Du lebst auf einem Planeten, der sich\n      weiter erw\u00e4rmt w\u00e4hrend die Schornsteine weiter Staub absondern\n      und die Politiker alles vernebeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Spiel wird nicht ewig dauern. Wenn erst die W\u00e4lder\n      abgeholzt, die polaren Eiskappen geschmolzen sind, d\u00fcrfte es zu\n      sp\u00e4t sein, die Spielregeln des Todes-Monopoly in Frage zu\n      stellen. Vielleicht bleibt dann \u00fcberhaupt kein Eigentum\n      \u00fcbrig.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Leute behaupten, dass der Kapitalismus das Ende der\n      Geschichte ist. In Wirklichkeit d\u00fcrfte der Kapitalismus unser\n      Ende herbeif\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es dazu \u00fcberhaupt eine Alternative?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das Privateigentum das Gesetz ist und alle Spielregeln\n      diktiert, was passiert, wenn Du diese Regeln abschaffst?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kapitalismus gr\u00fcndet auf dem Privateigentum. Schaffst Du\n      das eine ab, musst Du auch das andere beseitigen. Und all das,\n      was damit zusammenh\u00e4ngt: Markt, Geld, Banken und\n      Versicherungsgesellschaften, Kredite, Darlehen, Zinsen,\n      Ratenzahlungen, Mieten und L\u00f6hne.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies klingt wahrscheinlich wie die Abschaffung der\n      Zivilisation, so wie Du sie kennst. Aber es ist nicht\n      notwendigerweise so. Da die meisten dieser Dinge Dir Kummer und\n      Stress bereiten, k\u00f6nnte es auch nach dem Ende der meisten\n      Deiner Probleme klingen, und das auf einen Schlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Erinnere Dich: Als Rex nur ein Kind unter Kindern war, hatte\n      er keine Macht \u00fcber andere. Aber als er der Eigent\u00fcmer aller\n      Spielsachen wurde, \u00e4nderte sich alles. Ohne Privateigentum g\u00e4be\n      es keinen Rex mehr. Eigentum ist die Grundlage der Macht und\n      die Macht ist die Basis jeder Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchlst Du Dich unterdr\u00fcckt, dann frage Dich, wer Macht \u00fcber\n      Dich hat. Manchmal scheint es so zu sein, als ob es alle\n      anderen w\u00e4ren. Aber, wenn Du genauer schaust, kannst du\n      feststellen, dass es doch bestimmte Personen oder Gruppen sind.\n      Das sind Deine Unterdr\u00fccker. Es mag sein, dass es nicht meine\n      sind, oder die Deines Nachbarn.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir machen aber alle \u00e4hnliche Erfahrungen. Dies ist das, was\n      wir gemeinsam haben. Auch wenn es unterschiedliche Personen\n      sein k\u00f6nnen, die \u00fcber uns Macht haben, bleibt uns doch\n      gemeinsam die Tatsache, dass jemand \u00fcber uns Macht aus\u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Eigentum gibt es keine Hierarchien, keine Herrscher,\n      keine Chefs, keine F\u00fchrer, keine politischen Eliten, keine\n      Befehlshaber, keine B\u00fcrger erster und zweiter Klasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Eigentum das bedeutet: Keine Macht f\u00fcr Niemanden. Auch\n      dies mag wie das Ende der uns bekannten Zivilisation\n      klingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber aus einer anderen Perspektive betrachtet k\u00f6nnte es den\n      Anfang der Zivilisation bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Privateigentum g\u00e4be es kein Geld f\u00fcr L\u00f6hne. Die\n      Menschen m\u00fcssten also unendgeldlich arbeiten. Wenn Du ohnehin\n      keinen Lohn bekommst, k\u00f6nntest Du Deine Arbeit frei w\u00e4hlen. Du\n      fragst, warum man dann \u00fcberhaupt arbeiten sollte? Warum\n      besch\u00e4ftigst Du Dich mit Deinen Hobbys? Niemand bezahlt Dich\n      daf\u00fcr. Den meisten Menschen macht es Spa\u00df, etwas Sinnvolles zu\n      tun. Und denk daran: Ohne Chefs w\u00fcrde die Arbeit etwas anderes\n      sein, als heutzutage.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar, Du h\u00e4ttest keine Lust, Dein Hobby 60 Stunden in der\n      Woche zu betreiben. Aber wenn Du Dir vorstellst, dass alle f\u00fcr\n      den Kapitalismus typischen geldbezogenen T\u00e4tigkeiten wegfallen\n      w\u00fcrden, dann g\u00e4be es sehr viele Menschen, die nichts mehr zu\n      tun h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sie sich an den n\u00fctzlichen Arbeiten beteiligen w\u00fcrden,\n      dann k\u00f6nnte eine nachkapitalistische Gesellschaft die\n      notwendige Arbeitszeit reduzieren. Auf vielleicht 10\n      Wochenstunden, statt 30, 40 oder 50 Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch was: Ohne Privateigentum g\u00e4be es keine Gr\u00fcnde, um\n      Kriege zu f\u00fchren. Denn dabei geht es meist um Eigentum oder um\n      Handel. Es geht darum, das Eigentum zu vergr\u00f6\u00dfern oder es zu\n      sichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie k\u00f6nnen zwar so tun, als ob es dabei um Gott, Freiheit\n      und so weiter ginge. Aber Kriege werden mit Geld finanziert und\n      das Geld, das Privateigentum, ist ihre Ursache.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine tragische Ironie, dass die Kriege immer von den\n      Armen im Interesse der Reichen gef\u00fchrt werden. Du glaubst doch\n      nicht, dass das Kind Rex einen Krieg mit dem\n      Nachbarkindergarten anzetteln w\u00fcrde? Aus welchem Grund?<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Eigentum d\u00fcrften die einzigen Kriege, die Du jemals\n      sehen w\u00fcrdest, Auff\u00fchrungen historischer Schlachten sein.\n      Sicherlich wird es Streitigkeiten geben. Aber Kriege? Das kann\n      ich mir nicht vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Eigentum und Geld w\u00fcrde es weder Mieten noch\n      Kreditzinsen und keinen Profit geben. Profit ist jener Anreiz,\n      der im Kapitalismus die Produktion antreibt. Bedeutet dies\n      also, dass wir in der nachkapitalistischen Gesellschaft\n      allesamt verhungern w\u00fcrden?<\/p>\n\n\n\n<p>Profit ist nur ein m\u00f6glicher Anreiz, um etwas herzustellen\n      und noch nicht einmal der beste. Der beste Anreiz ist einfach\n      der Bedarf und die Bed\u00fcrfnisse. Wir w\u00fcrden G\u00fcter produzieren,\n      weil es Menschen gibt, die sie brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anreiz \u00fcber Profite funktioniert anders. Es wird nur\n      deshalb produziert, um Geld zu verdienen. Es ist also m\u00f6glich,\n      dass Million\u00e4re weitere Millionen damit verdienen, das sie\n      Waren produzieren, die niemand braucht und bei denen das\n      Bed\u00fcrfnis erst durch die Werbung geweckt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt keine Verbindung mit den Bed\u00fcrfnissen. Braucht eine\n      Milliarde Menschen sauberes Wasser, kann es aber nicht\n      bezahlen, dann hat das Profitsystem keinen Anreiz, sauberes\n      Wasser bereitzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit Profit gibt es immer das Risiko, zu\n      verlieren. Daher ist es um Geld zu sparen angebracht, Schund zu\n      produzieren. Waren, die schnell kaputt gehen, und die man\n      st\u00e4ndig neu kaufen muss. Waren, die auf dem M\u00fcll verrotten,\n      weil das billiger ist, als sie zu recyceln.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem System k\u00f6nnen gro\u00dfe und weltweit agierende\n      Unternehmen die Weltkultur mit einer Plastikuniformit\u00e4t\n      dominieren, in der sich alle St\u00e4dte \u00e4hneln, wir alle die\n      gleichen &#8220;billigen&#8221; Speisen essen und in den gleichen\n      Kettenl\u00e4den unsere Kleider kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Abschaffung des Privateigentums bedeutet nicht\n      notwendigerweise die Abschaffung von Zivilisation, Architektur,\n      Nahrungsmitteln, Kultur, Krankenh\u00e4usern, Kinos oder gar der\n      pers\u00f6nlichen Identit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bedeutet einfach die Abschaffung einer sehr alten\n      \u00dcbereinkunft, nach der es in Ordnung ist, dass viele Menschen\n      wenig oder nichts haben, damit wenige Leute alles im \u00dcberfluss\n      haben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das meiste von dem, was uns lieb geworden ist, k\u00f6nnten wir\n      behalten. Die Grenzen des Kapitalismus zu \u00fcberschreiten hei\u00dft\n      nicht, r\u00fcckw\u00e4rts zu gehen und alles zu zerschlagen. Es geht um\n      Fortschritt und darum, die Welt besser zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ist eine soziale Revolution notwendig. Die\n      ArbeiterInnen und Eigentumslosen der Welt m\u00fcssten aufh\u00f6ren,\n      sich gegenseitig zu bek\u00e4mpfen. Sie m\u00fcssten sich\n      zusammenschlie\u00dfen, um die Herrschaft der Minderheit, d.h. der\n      besitzenden Klasse, zu \u00fcberwinden. Und dies ist ein\n      revolution\u00e4rer Akt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reichen wollen das nicht. Sie werden alles versuchen, um\n      dies zu verhindern. Aber sie sind eine kleine Minderheit.\n      Vergiss nicht: Einer von Zwanzig. Eine Revolution muss nichts\n      Schlechtes sein. Denke an die Computer-Revolution, oder die\n      Informations-Revolution. Revolutionen m\u00fcssen auch nicht\n      gewaltsam sein: Sie m\u00fcssen aber gr\u00fcndlich vorbereitet und gut\n      organisiert sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, Du wirst sagen: Es klappt nicht, es ist unm\u00f6glich,\n      es widerspricht der menschlichen Natur und so weiter. Du bist\n      auf solche Gedanken beschr\u00e4nkt worden. So ging es mir auch. Wir\n      sind im Kapitalismus aufgewachsen und uns wurde gelehrt, dass\n      der Kapitalismus nat\u00fcrlich und rechtm\u00e4\u00dfig und gut ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber viele von uns glauben nicht mehr daran und vielleicht\n      beginnst Du zu verstehen, warum. Erinnerst Du Dich noch an Rex\n      im Kindergarten und seine Ideologiebelehrungen? Rex will nicht,\n      dass die Anderen etwas au\u00dferhalb des vorgegebenen Rahmens\n      denken. Er will sogar verhindern, dass Du \u00fcberhaupt wei\u00dft, dass\n      es au\u00dferhalb dieses Rahmens noch etwas anderes gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wird Dir 1000 Gr\u00fcnde daf\u00fcr nennen, dort zu bleiben, wo Du\n      bist. Lies einfach weiter Deine Zeitungen, funktioniere weiter\n      so, wie bisher, nimm weiter deine blauen Pillen. Mach was Du\n      willst, es ist Deine Entscheidung. Ich versuchte Dir eine\n      andere Sichtweise vorzustellen. Dir sollte klar werden, dass Du\n      eine Wahl hast, dass Du Dich entscheiden kannst.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich wirst Du mir zustimmen, dass die Welt nicht\n      so bleiben wird, wie sie ist. Sie wird entweder schlechter\n      werden oder besser. Weltreiche und \u00f6konomische Systeme kamen\n      und gingen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der\n      Kapitalismus die letzte Station der menschlichen Reise ist. Die\n      Geschichte kennt keinen Stillstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Angenommen, eine Gesellschaft nach dem Kapitalismus w\u00e4re\n      m\u00f6glich, es g\u00e4be noch eine weitere Station auf unserer Reise.\n      Ich kann Dir keine genaue Beschreibung dieser Gesellschaft\n      geben, weil ich keine habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re unlogisch, Dir einerseits zu empfehlen, keinen\n      F\u00fchrern zu trauen, keinen Experten zu folgen und nicht alles zu\n      glauben, was Dir die Leute erz\u00e4hlen, aber andererseits zu\n      wollen, dass Du mir vertraust, folgst und glaubst. Ich bin\n      weder ein Experte, noch ein F\u00fchrer oder ein religi\u00f6ser\n      Vision\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich denke, wie viele andere auch, dass eine\n      nachkapitalistische Gesellschaft m\u00f6glich ist. Eine\n      Gesellschaft, die auf Gleichheit und auf gemeinschaftlichem\n      Eigentum beruht, das demokratisch durch uns alle kontrolliert\n      wird und nicht durch zentralisierte Staatsapparate. Eine\n      Gesellschaft zum Wohle aller Menschen und des Planeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme zum Schluss. Ist das, was ich gesagt habe,\n      wirklich so unvern\u00fcnftig, so l\u00e4cherlich, so offenkundig falsch,\n      dass Du alles zur\u00fcckweisen kannst? Schau Dir das Video noch\n      einmal an. \u00dcberpr\u00fcfe es. Falls es nicht unvern\u00fcnftig ist, was\n      kannst Du jetzt tun?<\/p>\n\n\n\n<p>Verbreite diese Ideen. Das ist das, was Du machen kannst.\n      Denke \u00fcber die Folgerungen und die Auswirkungen nach. Mach\n      einen Plan. Rede. Diskutiere. Organisiere. Vielleicht kannst Du\n      andere Leute auf dieses Video aufmerksam machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Du musst keinen Krieg beginnen und Du mu\u00dft nicht alles\n      allein machen. Aber Du mu\u00dft etwas tun und das bald. Wir sind\n      auf einer Stra\u00dfe, die Geschichte genannt wird, und wir stehen\n      an der Haltestelle &#8220;Kapitalismus&#8221;. Manche sagen, dass die Reise\n      hier zu Ende ist, aber andere meinen, dass es weiter geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt nur zwei Sachen, die Du jetzt machen kannst:\n      Entweder dort stehen bleiben, wo du bist. Oder Dich weiter\n      bewegen und diese Station verlassen. Entscheidest Du Dich\n      weiter zu gehen, wird es auch andere geben, die mit Dir gehen\n      wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich wollen wir alle das Gleiche. Wir wollen\n      Fortschritt, Verbesserungen, eine bessere Welt. Worauf es\n      ankommt ist, einen Weg zu finden, um dieses Ziel zu erreichen.\n      Alles andere ist Kinderkram.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4hest Du einen kleinen Jungen in einem Abwassergraben sterben, w\u00fcrdest Du einfach weiter gehen und ihn ignorieren? 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