Weltsozialismus

Wir leben in einer Welt des Reichtums. Die Produktivität ist in allen wirtschaftlichen Sektoren, in der Industrie, genauso, wie in der Landwirtschaft, immens. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellte kürzlich fest: "Im Vergleich zu der noch nicht allzulange zurückliegenden Vergangenheit leben wir heute in einer Welt des Überflusses."

Eine bessere Gesundheit der Weltbevölkerung und steigende Agrarerträge im 20. Jahrhundert waren Ursachen (und Wirkungen), die weltweit zu beispiellosen und rasanten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen geführt haben. So gibt es zum Beispiel heute für alle Menschen dieser Welt mehr als genug Nahrungsmittel zur Verfügung - theoretisch wenigstens.

Wenn es eigentlich keine wirklichen Engpässe bei der Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln, Kleidung, Medikamenten und Wohnungen geben müßte, warum leiden so viele Menschen an einem Mangel an diesen grundlegenden Dingen? Wieso gibt es Hunger und Durst, Elend, tödlich verlaufende, aber leicht heilbare oder vermeidbare Krankheiten und warum gibt es Obdachlosigkeit, warum müssen Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben?

Warum sterben so viele Menschen – Stunde um Stunde, Jahr um Jahr, Entwicklungsdekade um Entwicklungsdekade, Reform um Reform – sinnlos und unnötigerweise? Warum haben sie keine ausreichende Nahrung, kein trinkbares Wasser, keine Behausung und keine – auch nicht die einfachsten – Medikamente? Und: Wieso müssen eigentlich so viele Menschen Angst haben, "arbeitslos" und somit mittellos zu werden, anstatt sich daran erfreuen zu können, dass mit weniger Aufwand, mehr Wohlstand erzeugt werden kann?

Die Ursache dafür ist das wirtschaftliche und politische System, unter dessen Herrschaft wir, und alle anderen auf dieser Welt, leben. Es ist das erste und das letzte und das wichtigste aller wirtschaftlichen Gesetze des Kapitalismus, jenes, auf dem das Verkaufen und Kaufen gründet: Man bekommt nur das, wofür man Geld hat. Ohne Geld, keine Nahrung, ohne Geld keine Kleidung, ohne Geld keine Wohnung, ohne Geld keine Medikamente, ohne Geld kein Leben.

In einer Welt voller Überfluss, leben wir, die Arbeiter und Arbeiterinnen – also die überwiegende Mehrheit auf diesem Planeten – in einer für den Kapitalismus typischen, weil "künstlich" erzeugten Knappheit an Lebensmitteln jeder Art. Das geschieht natürlich nicht, wie Sozialdemokraten meinen (wir erinnern an den völkischen Heuschreckenvergleich des Genossen Müntefering), aus Bosheit, aus sonstigen Mentalitätsgründen, oder weil einzelne Kapitaleigner Amerikaner sind (oder Juden – hier hat sich der SPD´ler gerade noch so zurückhalten können – die Frage ist: Wie lange noch?), sondern ausschließlich, um die überlebensnotwendigen Profite erwirtschaften zu können.

Ziemlich verrückt, aber es wird sich daran so lange nichts ändern, solange der Kapitalismus nicht von der Mehrheit der Weltbevölkerung in einem bewußten Akt beendet und er dann nur noch als gesellschaftliche Formation der menschlichen (Vor-) Geschichte bekannt sein wird.

Unser Ziel ist es nicht, den Kapitalismus zu reformieren und sich zum Beispiel damit zu begnügen, höhere Löhne zu fordern oder – was heute z.B. in Deutschland üblicher ist – zu versuchen, Senkungen von Löhnen und den Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern. Dies ist nicht falsch, aber es reicht nicht. Genauer gesagt, es ändert an dem Widerspruch zwischen faktischem Überfluss und (kapitalistisch erzeugter) künstlicher Knappheit gar nichts. Auch nichts am Verkaufen und Kaufen der Ware Arbeitskraft, nichts am System der Lohnarbeit, das wir beenden wollen.

Wenn in Deutschland nun die neue "Linkspartei" (PDS, WASG, SAV, Linksruck, …) ihr kapitalistisches Programm an der Sozialen Marktwirtschaft, am Modell Deutschland, an staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und – nicht zu letzt – auch am Standort Deutschland ausrichtet, dann zeigt sich darin mal wieder das hundertjährige Elend des Reformismus, der es bislang immer nur dazu gebracht hat, den Kapitalismus vor Schwierigkeiten (mit den ArbeiterInnen) zu bewahren und ihm aus Patschen zu helfen.

Und das weite Teile der "linken Öffentlichkeit" und viele Arbeiter und Arbeiterinnen Hoffnungen in die Linkspartei setzen, obwohl diese Partei tatsächlich nur "Arbeit!" (noch mehr Lohnarbeit! – als ob es nicht um die Abschaffung der Lohnarbeit und die weitgehende Verringerung der Arbeitszeit überhaupt gehen müßte) und "soziale Gerechtigkeit!" (ein positiv übertreibender Begriff für die kapitalistischen Ausbeutung, die Lohnarbeit und die Warengesellschaft) fordert, dokumentiert die enorme Kluft zwischen dem, was objektiv möglich wäre und dem, was scheinbar subjektiv und politisch von der Mehrheit gewollt wird.

Wir sagen das ganz ohne Häme und ohne jene persönlich beleidigen zu wollen, die dieses altbackene, staatsfixierte und traurige "Projekt" mit den besten Absichten unterstützen und ihre Hoffnungen in es setzen. Wir beurteilen hier nicht die Menschen und ihre Absichten, sondern die Wirkungen des demokratischen Reformismus, der eine lange Geschichte hat und von dem sich unsere Organisation bereits vor über hundert Jahren (1904) getrennt hat, ohne sich nach 1917 dem Staatskapitalismus diktatorischer und bolschewistischer Prägung anzuschließen. Es gibt übrigens nicht viele politische Organisationen innerhalb der Arbeiterbewegung, die das von sich behaupten können.

Uns geht es jedenfalls um etwas anderes, als den Reformisten, z.B. von der Linkspartei: Es geht um nicht weniger, als um die Übernahme der gesamten gesellschaftlichen Mittel der Produktion und Verteilung durch die überwiegende Mehrheit der Weltgesellschaft, es geht uns um die demokratische Kontrolle der Produktion und Verteilung durch und zum Nutzen der Weltgesellschaft. Wir nennen diesen gesellschaftlichen Zustand traditionellerweise: Weltsozialismus – eine Welt ohne Lohnarbeit, ohne Geld, ohne Kapital, ohne Nationen, ohne Grenzen, ohne Staaten. (Aus unserer Definition dieser Gesellschaft dürfte abzuleiten sein, dass wir seit der Zeit der Russischen Oktoberrevolution des Jahres 1917 der Meinung waren und dies in zahlreichen kritischen Analysen begründet haben, dass in der Sowjetunion nicht etwa der Sozialismus, sondern eine besondere (staats-) kapitalistische Gesellschaftsformation zuerst entwickelt und dann tatsächlich errichtet wurde.)

Eine grundlegende und allgemeine menschliche Fähigkeit wird im weltweiten Sozialismus im Vordergrund stehen: Die Fähigkeit eines jeden Menschen mit anderen Menschen in einer globalen Weltgesellschaft zu kooperieren.

Dies ist, wovon unsere – hinsichtlich der inneren Struktur egalitäre und auch sonst sehr außergewöhnliche – 1904 gegründete Organisation, die Socialist Party of Great Britain (The Socialist Party), ausgeht und es ist das, was wir anstreben. Nehmt mit uns Kontakt auf.

52 Clapham High Street, London, SW4 7UN, Groß-Britannien

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