Marktwirtschaft

Die Marktwirtschaft wird hoch gepriesen. Um die Massen einzuschläfern, bekommt sie auch noch den Zusatz: soziale Marktwirtschaft. Wie sozial diese Wirtschaft und ihre politischen Vertreter sind, ist zur Zeit bestens zu studieren. Die schamlosen Bezüge der politischen Leiter in verschiedenen Arbeiter- und Sozialinstitutionen werden zum Anlaß genommen, um massiv der Zerschlagung solcher Institutionen das Wort zu reden. Eine willfährige Presse trägt das Ihrige dazu bei.

Wir haben schon aufgezeigt, daß die vielgepriesene Marktwirtschaft gewaltige Schattenseiten hat. Wir berichteten über den Organhandel, der durchaus eine gesteigerte Bedeutung in der Marktwirtschaft erlangen wird. Einzig und allein entscheidend für die Marktwirtschaft ist, ob und in welcher Höhe Profite erzielt werden können. Diese Einstellung, untrennbar mit der Marktwirtschaft verbunden, führt aber auch zu weltweiten Problemen.

Agenturmeldungen war zu entnehmen, daß die Nahrungsmittelproduktion noch nie so groß war wie in unseren Tagen. Dem steht gegenüber, daß auch noch nie so viele Menschen hungern mußten wie gerade jetzt. Einer entsprechenden Statistik der Weltbank ist zu entnehmen, daß im Jahre 1990 etwa 1,13 Milliarden Menschen ständig vom Hungertod bedroht waren.

Wie paßt das zusammen? Hier Berge von Lebensmitteln, dort Unmassen von Hungernden. Der Schlüssel zum Verständnis liegt, wie schon aufgezeigt, im System der Marktwirtschaft. Das Ziel aller Bemühungen in dieser Wirtschaft ist nicht die Befriedigung von Bedürfnissen, sondern die Erzielung von Profiten. Diese Sache entspringt nicht aus ethischen, moralischen oder religiösen Defekten der Vertreter dieses Systems, sondern ausschließlich aus den sachlichen Notwendigkeiten, die das Profitsystem fordert.

In der Praxis heißt das: Sind zu viele Lebensmittel auf dem Markt, das heißt, steht diesen Waren keine zahlungskräftige Nachfrage gegenüber, dann fallen tendenziell die Preise. Aus diesem Grund "nimmt man Waren aus dem Markt". Das war in den meisten Fällen durch Vernichtung geschehen. Weil das politisch kein gutes Bild machte, sucht man andere Möglichkeiten. Dazu gehört das Ändern des Anbaugutes und auch die absolute Brachlegung riesiger Ackerflächen. Die Agrartechnik bringt es mit sich, daß selbst bei eingeschränkten Anbauflächen immer neue "Rekorde" bei den Ernten möglich sind. Damit kommt es wieder zu dieser Kette, und die Hungernden werden auf den Bettelweg verwiesen.

Die andere Möglichkeit

Der intensive Ackerbau führt zur Vergiftung der Böden und in der Folge auch zu empfindlichen Verschlechterungen der Wasserqualität. In unseren Breiten ist man aus vielerlei Gründen gegen diese Entwicklung aufgetreten. Die Last dieser Arbeit liegt meist bei besonderen Gruppen, die auf freiwilliger Basis diesem Unheil Einhalt gebieten wollen. In diesen Komplex gehört auch der Bereich des Alternativ-Anbaues. Da auch auf diesem Gebiet die Wirkungen der Marktwirtschaft unübersehbar sind, tut man sich bei der Weiterentwicklung dieser Möglichkeit sehr schwer.

Ungeachtet dieser Dinge gibt es aber auf der Erde ein weit größeres Problem, das bei uns noch nicht die notwendige Beachtung findet. Jahr für Jahr breiten sich auf unserer Erde die Wüsten aus. Mit diesem Thema haben sich schon etliche Konferenzen befaßt. Die erzielten Resultate sind bescheiden. Das ist auch verständlich. Hier sind auf weite Sicht keine (oder sogar nie) Profite zu erwarten. Dementsprechend sind die Mittel, die für Gegenmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden, viel zu gering. Abgesehen davon, daß ein Teil dieser Mittel auf dem Wege zum direkten Einsatz versickern, reichen sie in den meisten Fällen nur dazu, das Tempo der Verwüstung zu verlangsamen. Von einer Umkehr dieses Prozesses gar nicht zu reden. Experten der UNO haben errechnet, daß man für diese Umkehr mindestens 35.5 Milliarden DM jährlich zur Verfügung haben müsse. Zur Zeit kann man ungefähr 1.4 (!) Milliarden rechnen. Mehr kann die vielgepriesene Marktwirtschaft nicht leisten.

Für die sozialistische Solidargemeinschaft wäre das kaum ein Problem. Sie könnte einen Teil jener Industriekraft, die zur Zeit für die Abdeckung militärischer Bedürfnisse aller Art benötigt wird, ohne weiteres umlenken. Wüsten liegen vorwiegend in heißen Zonen. Ein massiver Einsatz von Solartechnik für den Betrieb von Entsalzungsanlagen und riesige Pumpstationen wäre schlimmstenfalls eine Frage der Zeit. Millionen von Hektolitern Wasser könnten vor Ort gebracht werden und ein riesiges Rekultivierungsprogramm ermöglichen. Jeder einzelne neue Grashalm, Strauch oder Baum wäre ein Gewinn für die ganze Erde. Zusätzlicher Sauerstoff und eine allgemeine Klimaverbesserung brächten Erleichterung für Millionen Menschen. Es gibt Wissenschafter, die meinen, daß durch verschiedene Vorgänge die ungebundenen Wassermassen immer größer werden. In dieser Hinsicht wäre es denkbar, daß das Abpumpen gewaltiger Wassermassen aus den Meeren und ihre Bindung im Festlandkern noch zusätzliche günstige Effekte mit sich bringt. Da wären dann die Wissenschaftler gefragt. Leute, die sich heute ständig mit der an sich irrationalen Frage einer Finanzierung herumschlagen und damit wertvolle Zeit totschlagen müssen.

Ganz sicher müßte es dann auch den ehrlichen "Grünen" klar werden, daß die Rettung der Erde nicht durch ein neues Steuersystem, sondern nur nach einem Umbau unserer Profitgesellschaft möglich wird!